Ist Android zu sehr zersplittert?

Sebastian | Dienstag, 9. März 2010 |

Besteht das Risiko einer zu starken Zerteilung von Android?

Mit diesem Artikel möchte ich eine Diskussion aufgreifen, die aktuell in US Blogs geführt wird. Dort wird kritisch mit dem Thema Android und einer bevorstehenden bzw. gerade stattfindenden Zersplitterung der Software Plattform umgegangen. Ich möchte hier kein Plädoyer gegen Android verfassen, sondern auch Standpunkte zulassen die evtl. für Android gerade ein Nachteil sind. Ich bin gespannt wie ihr dazu steht.
Aktuell befinden sich bereits ja sehr viele unterschiedliche Versionen des Betriebssystems im Umlauf. Von Android Version 1.5 bis zur aktuellen Version 2.1 dürften wohl alle Varianten auch auf deutschen Handys unterwegs sein.

Viele kennen das Problem einer veralteten Android Version

Ärgerlich wenn man ein Handy vielleicht erst einige Wochen oder Monate besitzt und es schon zum alten Eisen gehört. Sicherlich ein Problem der schnelllebigen IT Branche an sich, aber abgesehen von der Hardware sollte wenigstens das Betriebssystem auf dem aktuellen Stand gehalten werden.

Google kündigte einen ersten Schritt der Besserung bereits an und will im Laufe des Jahres alle US Android Handys auf Version 2.1 updaten. Alle Typen werden wohl nicht alle Features (z. B. Live Wallpaper) von 2.1 unterstützen und auch nicht per Over the Air Update zu versorgen sein, aber zumindest die Kernfunktionen des Betriebssystems sind auf einem einheitlichen Stand.

Welches Handy ist das Android Flaggschiff?

Aktueller Kandidat ist wohl das HTC Desire. Es wird wahrscheinlich ab April in den Regalen stehen. Doch wie lange kann es sich mit diesem “Titel” wohl schmücken. Vielleicht einen Monat?
Weitere Superphones wie HTC Supersonic oder ähnliche stehen bereits in den Startlöchern. Gerade war das Nexus One noch das High End Gerät im Android Sektor. Es gibt im Prinzip kein bestes Android Smartphone, welches alle Top Features unter einen Hut bringt. Die Hersteller greifen tief in Android ein und entwickeln ihre eigenen Nutzeroberflächen. An einem Gerät gefällt jenes, am anderen dieses besser. Sicherlich eine subjektive Angelegenheit.
Ist die Flut an Android Geräten nun gut oder nicht? Schadet es der Plattform oder ist es förderlich? Auf den ersten Blick hervorragend für den Kunden, er hat die Qual der Wahl. Die Geräte sind immer top aktuell und entsprechen dem letzten Stand der Smartphone Technik. Aber wie sieht es auf der Entwickler Seite aus? Kann sich der Entwickler auf eine stabile Grundlage für seine Arbeit einstellen? Wird seine App auf allen Geräten laufen? Welche Kunden muss er evtl. außen vor lassen, da einige Features in alten Android Versionen einfach nicht verfügbar sind?

Aktuell werden viele neue Android Smartphones auf den Markt gebracht, die auf Version 1.6 oder sogar noch auf 1.5 setzen. Also einer veralteten Softwareversion von Android. Updates werden zwar versprochen, doch wann kommen diese? Kann sich der Käufer sicher sein, dass diese schnell verfügbar sind um nicht den Anschluss zu verlieren? Dies sind sicherlich gute Fragen, sowohl auf der Käufer- als auch auf der Entwickler-Seite. Etwas mehr Stabilität würden sich evtl. beide Seiten wünschen.

Schild über die Richtungsentscheidung: Erfolg oder Misserfolg?

Wird die Fragmentierung von Android, aufgrund der Entwicklungspolitik der Gerätehersteller, zum Problem für die gesamte Android Plattform?

Hersteller und ihre eigenen Nutzeroberflächen

Die Hersteller passen ihre Oberflächen stark an ihre eigenen Ideen und Entwicklungen an. Herstellereigene User Interfaces (z. B. HTC Sense oder Motorola’s Blur) entfremden sozusagen die Geräte untereinander noch weiter. So kommt neben dem Problem der unterschiedlichen Android Versionen, auch das Problem der unterschiedlich programmierten Herstellerversionen dazu. Es ist im Prinzip absolut OK. Android ist eine offene Plattform und darf von jedem weiterentwickelt werden. Doch die Kunden wünschen sich sicherlich ein schnelles und vor allem möglichst einfaches Update auf die aktuelle Android Version. Hier sind ganz klar die Hersteller gefordert, ein größeres Augenmerk auf die Bestandskunden zu legen. Zwar sind ständig neue Geräte gut und schön für die Marktentwicklung und Umsatz, aber bestehende Kunden wollen ebenfalls gut behandelt werden. Updates sind somit durchaus wichtig und sollten nicht vernachlässigt werden. Google kann aufgrund der stark angepassten Herstellervarianten des Betriebssystems nicht für einen einheitlichen Standard sorgen. Die Firmen die Android stark anpassen müssen auch dafür sorgen, dass Nutzer ihrer Software auf dem aktuellen Android Zug sitzen und nicht abgehängt werden.
Des Weiteren müssen sie dafür sorgen, dass alle Apps auf den Geräten laufen. Entwickler schreiben Apps ja für Android und nicht nur speziell für die Android Version von HTC oder Samsung.

Auf den Punkt gebracht

Niemand erwartet wohl, dass sein eigenes Smartphone für immer und ewig aktuell sein wird. Auch will der Android Fan keine Zustände wie in Cupertino und nur Software konsumieren, die der Hersteller bis ins letzte Detail abgesegnet hat. Android verfolgt hier ja Gott sei Dank einen anderen Ansatz. Doch Updates und Features von aktuellen Apps im Market möchte man schon gerne nutzen. Dazu ist eine einheitliche Plattform und Stabilität im System für die Entwickler sehr wichtig. Eine Balance aus Freiheit im Betriebssystem und Einheitlichkeit in den Versionen auf den Endgeräten gilt es wohl zu finden.

Android steht aktuell wahrlich alles andere als vor einem Kollaps, wir sind ja gerade erst am Anfang einer Erfolgsstory. Einige US Blogger und Marktbeobachter sehen Android wegen dieser Probleme schon vor dem Aus. Dies sehe ich wirklich nicht so. Doch auch Android muss auf gewisse Dinge achten um nicht unter die Räder zu kommen und die Kunden zu vergraulen. Einzig und allein dieser wird über Erfolg und Misserfolg entscheiden. Sollte er unzufrieden durch die Android Fragmentierung, aufgrund der Strategie der Gerätehersteller, werden, gehen die Rekordverkäufe schnell wieder zurück.

Ich für meinen Teil kann nur sagen, dass ich ein absoluter Android Fan bin und die Plattform daher unterstütze. Sie bietet großartige Möglichkeiten für Anwender und Entwickler. Super anzusehen was mit einem mobilen Endgerät heute alles so machbar ist. Auf der anderen Seite, sollten doch bitte möglichst alle Android Nutzer daran teilhaben können. User mit älteren Geräten dürfen definitiv nicht auf der Strecke gelassen werden, sonst haben sie vielleicht zum letzten Mal ein Android Smartphone gekauft.

Wie ist eure Meinung zu dem Thema? Hier steckt wohl viel Kontroverse drin.

Weiterführende Links zu amerikanischen Webseiten zu diesem Thema:

engadget.com
jkontherun.com
pcworld.com
phandroid.com

2 Kommentare to “Ist Android zu sehr zersplittert?”

  1. Mort sagt:

    Sicher wäre es schöner, wenn Updates schneller und einfacher zur Verfügung ständen.
    Aber diese “Zersplitterung” lässt sich nie ganz vermeiden. Auch das erste iPhone wird irgendwann hardwaretechnisch zu veraltert sein um noch Updates zu bekommen, und nicht jeder spielt auch alle Updates ein (“never touch a running system”).
    Dazu kommt noch, dass den Herstellern von diversen Zulassungsbehörden das Leben schwer gemacht wird: Neues System, neue Zulassung. Das kostet und dauert… (und wird durch Custom ROMs oft unterlaufen)

    Aber so sehr zersplittert ist Android ohnehin nicht. Sicher, es gibt ein paar sehr lästige Bugs in 1.5 und ein paar nützliche neue Funktionen, die man nicht ganz unkompliziert nutzen kann, will man kompatibel bleiben. Im Großen und Ganzen ist es aber kein übermäßiger Aufwand, Anwendungen zu schreiben, die auf 1.5 bis 2.1 laufen.
    Es wird sogar in nahezu jedem Homescreen-Ersatz die Widget-Schnittstelle unterstützt – auch in Sense.
    Wen juckt denn die “Zersplitterung” solange die Kompatibilität überwiegend gewahrt bleibt? (Im Gegensatz zur Zersplitterung der Linux-Desktop-Distributionen.)

    Sicher, es wäre schöner, wenn man neue Versionen wenigstens bei kompatiblen alten Treibern und ausreichend leistungsfähiger Hardware problemlos einspielen könnte. Da müssen derzeit noch relativ umständlich Custom ROMs “gekocht” werden, und beim Milestone kann man derzeit nichtmal die einspielen.
    Aber überall sonst ist das Problem doch auch ähnlich vorhanden – gerade bei Smartphones. Nur weil’s Apple mit gerade mal 3 Geräten, die sich nur minimal unterscheiden, etwas einfacher hat, sollte man die noch lange nicht zur Referenz machen.

  2. Sebastian sagt:

    Aktuell malen einige Marktbeobachter in USA die Zukunft aufgrund der Fragmentierung auch meiner Meinung nach zu schwarz. Man wird sehen wie Android diese Entwicklung in den Griff bekommt. Du hast Recht – Apple mit seiner streng kontrollierten Weiterentwicklung für Hard- und Software stellt für Android keine Referenz dar. Ich finde es generell auch besser auf der Hardwareseite mehr Auswahl zu bekommen. Aber wie auch im Artikel geschrieben, es muss sichergestellt sein, dass auch Bestandskunden ordentlich mit Updates versorgt werden.

    Vielen Dank für deinen Kommentar, Mort!!

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